Verhaltenstherapie ist eines von mehreren Psychotherapieverfahren, die in Deutschland als sogenannte Richtlinienverfahren anerkannt sind und deren Kosten von den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen übernommen werden können. Dieser Artikel gibt einen Überblick über Grundidee, Ablauf und Einsatzgebiete.
Die Grundidee
Verhaltenstherapie geht davon aus, dass Denken, Fühlen und Verhalten sich gegenseitig beeinflussen und belastende Muster im Laufe des Lebens erlernt wurden. Diese können daher grundsätzlich auch neu erlernt werden. Die lebensgeschichtliche Entwicklung eines Problems spielt dabei eine wichtige Rolle; in der aktiven Veränderungsarbeit richtet sich der Blick dabei meist auf die Gegenwart: Welche Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen halten ein Problem aktuell aufrecht, und welche neuen Erfahrungen können daran etwas verändern?
Wie hat sich die Verhaltenstherapie weiterentwickelt?
Die Verhaltenstherapie hat sich seit ihren Anfängen in mehreren sogenannten „Wellen" weiterentwickelt. Die erste Welle konzentrierte sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts rein auf beobachtbares Verhalten und Lernprinzipien wie die Konditionierung. Dies war auch die Geburtsstunde der Konfrontationstherapie (auch Expositionstherapie genannt). Die zweite Welle erweiterte den Blick um die sogenannte kognitive Wende: Neben dem Verhalten rückten auch Gedanken und Bewertungen in den Fokus der Behandlung, etwa in der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT). Die dritte Welle integriert seit den 1990er Jahren zusätzlich Konzepte wie Achtsamkeit, Akzeptanz und (Selbst-)Mitgefühl sowie die persönliche Wertehaltung, etwa in Ansätzen wie DBT, Schematherapie oder der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Vereinzelt wird bereits von einer vierten Welle gesprochen; diese ist im Gegensatz zu den ersten drei Wellen kein einheitlich definierter historischer Fakt, sondern beschreibt die aktuellen Strömungen und Zukunftstrends der modernen Psychotherapie. Hierzu zählen die Ablösung von festen Diagnosen hin zu individuellen Prozessen, ein vermehrter Fokus auf den Körper (Embodiment und somatische Ansätze), der Einbezug von Sinnstiftung und philosophischen Aspekten sowie der Einbezug von digitalen und personalisierten Medien.
Wie läuft eine Verhaltenstherapie ab?
- Psychotherapeutische Sprechstunde: erstes Kennenlernen und gemeinsame Einschätzung, ob eine Verhaltenstherapie geeignet erscheint.
- Probatorik: mehrere Sitzungen, in denen sich Patient:in und Therapeut:in kennenlernen und die Zusammenarbeit abklären.
- Antragstellung: Bei gesetzlich Versicherten wird ein Antrag auf Kurzzeit- oder Langzeittherapie gestellt; bei Privatversicherten und Beihilfeberechtigten ist in der Regel kein solches Antragsverfahren notwendig.
- Therapiephase: in der Regel wöchentliche Sitzungen à 50 Minuten mit konkreten, gemeinsam erarbeiteten Zielen.
- Abschluss: Die Sitzungsfrequenz wird gegen Ende meist ausgeschlichen, um das Erlernte zu festigen.
Für wen eignet sich Verhaltenstherapie?
Verhaltenstherapie wird bei einer Vielzahl psychischer Belastungen eingesetzt, unter anderem bei Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Traumafolgestörungen und Schwierigkeiten in der Emotionsregulation. Ob das Verfahren im Einzelfall passt, wird gemeinsam im Rahmen der psychotherapeutischen Sprechstunde geklärt.
Wissenschaftliche Fundierung
Verhaltenstherapie zählt zu den am besten erforschten Psychotherapieverfahren und ist eines der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) anerkannten Richtlinienverfahren in Deutschland. Wie bei jedem Psychotherapieverfahren hängt der individuelle Verlauf von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen.
Mehr zu meiner Arbeitsweise und den Verfahren, die ich ergänzend einsetze, finden Sie auf der Seite Wie ich arbeite. Bei Fragen zur Verhaltenstherapie können Sie gerne Kontakt aufnehmen.